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Ferrara Orte der Literatur - Giorgio Bassani in Ferrara

Giorgio Bassani wurde 1916 in Bologna als Kind einer wohlhabenden ferrareser Familie jüdischer Herkunft geboren. Er wuchs in Ferrara auf, besuchte hier das Gymnasium und schloß 1943 die Universität ab.
Ferrara Orte der Literatur - Giorgio Bassani in Ferrara

Nach dem Krieg zog er nach Rom und begann dort mit dem Schreiben. Seinen Ruhm gründet er vor allem auf die Prosa, mit der er 1962, als der Roman Die Gärten der Finzi-Contini erschien, einen Durchbruch erlebte. In Bassanis Werk spiegeln sich alle kulturellen und gesellschaftlichen Bereiche Ferraras im 20. Jh. wieder, die Stadt der jüdischen und der katholischen Gemeinschaft, die Stadt der hohen Bourgeoisie wie die der unteren Schichten. Die Orte, Straßen und Plätze, die Bassani erwähnt, erkennt jeder in der Stadt wieder, doch in seinen Romanen erhalten sie eine ganz eigene Konnotation: Corso Ercole I d’Este, die Hauptachse der Addizione Erculea, wird hier als Straße beschrieben, die “geradlinig wie ein Schwert” zum Haus der Finzi-Contini führt; die Mauer, die “im hellen Tageslicht den Schloßgraben säumt”, wird durch die dunklen, dramatischen Farben des Gemetzels befleckt, bei dem 1943 elf ferrareser Bürger erschossen wurden (Eine Nacht von ‘43); die Stadtmauern an der Porta degli Angeli werden für den Protagonisten der Gärten der Finzi-Contini zum Zufluchtsort, nachdem er erfahren hat, daß er in Mathematik durchgefallen ist. Die Gedenktafel an der Fassade der Synagoge, die an die Deportation der ferrareser Juden erinnert, wurde zum Titel der Erzählung Eine Gedenktafel in der Via Mazzini und das Haus, in dem seine Familie wohnte, erscheint in dem Kurzroman Hinter der Tür. Diese und viele andere Orte sind eng mit der Prosa von Bassani verbunden und gehören teils direkt zu seiner Biographie. Ihre Faszination besteht gerade darin, daß es zwischen Vorstellung und Realität immer wieder konkrete Entsprechungen gibt und die alltägliche Umgebung durch den literarischen Filter der Erinnerung in neuem, völlig ungewohntem Licht erscheint.

Casa Bassani
Via Cisterna del Follo, 1 - Privateigentum, nicht zu besichtigen
Dieses ist das Haus, in dem der Schriftsteller seine Kindheit verbrachte. Im Hof steht eine Magnolie, die man auch von der Straße aus sehen kann. Sie ist oft von Bassani erwähnt worden.

Jüdisches Museum und Synagoge
Via Mazzini, 95

Jüdische Schule
Via Vignatagliata, 79 / 81 - Privateigentum, nicht zu besichtigen
Das Haus in der Via Vignatagliata war jahrhundertelang das Schulgebäude der israelitischen Gemeinschaft. Im Jahr 1938 unterrichtete Bassani hier zusammen mit anderen Professoren, die durch die Rassegesetze vom nationalen Schulsystem ausgeschlossen worden waren.

Palazzo Paradiso – Biblioteca Ariostea
Via Scienze, 17
Als Bassani in Ferrara lebte, hielt er sich oft in dieser Bibliothek auf. Später beschrieb er die Räume in dem Roman Die Gärten der Finzi-Contini. In der Bibliothek sind sämtliche Werke des Schriftstellers in den verschiedenen Ausgaben und Übersetzungen vorhanden.

Jüdischer Friedhof
Via delle Vigne
Dieser Friedhof ist ein faszinierender Ort der Ruhe und des Friedens, an dem hier und da Ansammlungen einfacher Grabsteine aus dem üppigen Grün der Natur auftauchen. Hier liegen Giorgio Bassani und seine Eltern begraben.


"Der Garten, den es nicht gibt"
Nicht selten trifft man auf den Straßen Ferraras Touristen, die auf der Suche nach dem mythischen Garten der Finzi-Contini sind. Die Enttäuschung ist manchmal groß, wenn sie erfahren, daß es sich um eine Erfindung Bassanis handelte. Der Schriftsteller hat jedoch zugegeben, daß er sich diesen Garten in dem Bereich unterhalb der nördlichen Stadtmauern vorstellte, wo noch vor dem zweiten Weltkrieg alles grün war und heute ein Teil mit Wohnhäusern bebaut ist. Die Liebhaber des berühmten Romans brauchen dennoch nicht zu verzweifeln, denn es gibt noch ein relativ unberührtes Stück Natur, daß seinen Vorstellungen entsprechen könnte: man geht vom Piazzale San Giovanni aus ein Stück die Mura degli Angeli in nördliche Richtung und schlägt nach ca. 800 m einen Weg ein, der vom Erdwall hinunter stadteinwärts führt. Nachdem man den jüdischen Friedhof zur Linken und einige Wiesen zur Rechten hinter sich gelassen hat, erreicht man Via delle Vigne. Hier geht man durch ein kleines Tor und befindet sich auf einem zweiten Weg, er durch einige Obsthaine bis zur Via delle Erbe führt. Auf diesem Spaziergang wird man von einer großen Ruhe umfangen; und wenn der Wind in den Bäumen rauscht oder der Herbst die Blätter gelb und rot färbt, ist es nicht schwierig, die Augen zu schließen, und sich den wundervollen Garten der Finzi-Contini vorzustellen. Vielleicht hört man auch mit ein bisschen Glück, wie sich Micòl und Alberto auf ihren Fahrrädern nähern.




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zuletzt verändert: 10.05.2019 10:20
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